Kurt-Kurt Aktuell

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Kurt-Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor Moabit

AN DER GRENZE ZUR SPRACHE von Simone Zaugg


Eröffnung: Donnerstag, 24.11.2016 um 19 Uhr

Ausstellung:24.11. - 10.12.2016

Öffnungszeiten: Sa, 15 - 18 Uhr oder nach Vereinbarung

Artist Talk und Finissage:



10.12.2016 um 16 Uhr
mit Marc Wellmann, künstlerischer Leiter Haus am Lützowplatz und Simone Zaugg

AN DER GRENZE ZUR SPRACHE von Simone Zaugg


Gerade heute stellt sich immer häufiger die Frage, welche Sprache(n) sprechen und verstehen wir. Im Zeitalter der digitalen Kommunikationstechnologien ist Sprache – Bildsprache, Tonsprache, Wortsprache, Körpersprache – überall. Sie ist ein zentrales Werkzeug, das aber oft nur vordergründig der Kommunikation dient. Viel mehr ist die Sprache zum Virus geworden: „Are you talking to me? Or are you just practicing for one of those performances of yours? Huh? – Language! It’s a Virus.“ Laurie Anderson besang die Verschiebung von der Sprache als Botschaft zur Sprache als Inszenierung schon in den 1980ger Jahren.
An dieser Grenze der Sprache – oder vielleicht auch an den Grenzen zwischen den Schrift-, Bild-, Ton-, Körpersprachen ­– setzen die drei Arbeiten von Simone Zaugg an, die im Kurt-Kurt präsentiert werden. In der Installation Inszenierungen vom Nichtwiederholbaren spielt sie mit der formalen Syntax der bekannten Arbeit „Richtkräfte einer neuen Gesellschaft“ von Joseph Beuys. Sie übersetzt entlang der Parameter Ort, Raum, Stadt von Beuys subjektiv gesetzte Momente in eigene neue bildliche und räumliche Kompositionen.
Lost Horizon, eine Fotoserie, die in einem stillgelegten, atombombensicheren Kommunikationsbunker des Schweizer Militärs in den zentralen Alpen der Schweiz entstanden ist, nutzt das Interieur einer noch gar nicht so alten, aber dennoch total veralteten militärischen Kommunikationstechnik. Die Künstlerin ließ sich zwei Tage mit ihrer Kameraausrüstung in diesem Bunker mit dem Ziel einsperren, diese „tote“ Technik wieder zum Sprechen zu bringen.
In der dritten Arbeit Berg und Beton verschiebt sich der Fokus von der verbalen Kommunikation während des Entstehungsprozesses zu einer wortlosen Bild-Sound-Sprache der Videoinstallation. Ausgehend von einer Art Legende zum Bau der Albigna Staumauer im Bergell hat Simone Zaugg mit verschiedensten Menschen aus dem Tal kommuniziert. Die geschriebenen, gesprochenen, gemailten Berichte hat die Künstlerin bewusst in die Arbeit einfließen lassen und sie in kleine Choreographien für ihre performativen Szenen umgeschrieben. Inspiriert von den Recherchen hat Simone Zaugg das gigantische Bauwerk, das mit seinen unglaublichen räumlichen, aber auch akustischen Dimensionen eine kaum fassbare Sprache spricht, ausgelotet.
Der Fokus bei Simone Zauggs Arbeiten liegt auf den kleinen Gesten. Ihre Botschaft ist oft im Detail verborgen und setzt sich im Zusammenspiel der unterschiedlichen, bewusst inszenierten oder zufällig passierten Bezüge zusammen. Die Künstlerin führt uns über ihre Bildsprache bis ans Ende der Sprache, wo die Kunst den Dialog übernimmt.

 

Kontakt
Kurt-Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit
Ein Projekt von Simone Zaugg und Pfelder im Geburtshaus von Kurt Tucholsky
Lübecker Str. 13
10559 Berlin
Tel.: 030-397 46 942